Den Jazz in der Klassik hat wohl niemand so salon- bzw. konzertfähig gemacht wie der amerikanische Komponist George Gershwin. Dieser neue Stil entpuppte sich für die amerikanische Musik als identitätsstiftend, denn amerikanische Komponisten wie Aaron Copland ließen sich Anfang des 20. Jahrhunderts noch in Europa ausbilden und fanden erst mit Hilfe des Jazz zu einer eigenständigen, amerikanischen Musiksprache. Jazz war aber auch die große Entdeckung für viele junge französische Komponisten der 20er Jahre, für Igor Strawinsky und Darius Milhaud, aber auch für Arthur Honegger.
Und so entpuppte sich der Jazz bald als Bindeglied zwischen einer jungen Komponistengeneration: Milhaud beispielsweise hatte während einer Amerikatournee mehrere Abende in Harlem verbracht und sofort erkannt, wie sehr der Jazz die klassische Musik mit neuen Impulsen beleben würde.
Einen Querschnitt aus diesem amerikanischen und französischen Repertoire, das auf ganz unterschiedliche Weise den „Jazz in der Klassik“ thematisiert, bringt Natalia Gutman in einem Konzert mit Familie, Freunden und Gästen zu Gehör – Musikern, die dem Oleg Kagan Musikfest schon in langer Tradition verbunden sind und mit diesem jazzig-beschwingten Morgenkonzert virtuos die Freude am „Drive“ der Klassik vermitteln.
Leonard Bernsteins legendäre “West Side Story”, einer modernen Version von Romeo und Julia, die in den Slums der New Yorker West Side als Szenerie für die Straßenkämpfe jugendlicher Banden spielt, erklingt in Ausschnitten.
Maurice
Ravels Sonate G-dur für Violine und Klavier stützt sich nur in Teilen auf
Jazz-Einflüsse. Der dritte Satz „Blues“ besteht aus eigenwilligen
Jazz-Adaptionen, das Klavier wird oft wie ein Schlagzeug behandelt, und die
Violine, an die im gesamten Stück höchste technische Anforderungen gestellt
werden, lässt den „Sound“ von Saxophon und Banjo heraushören. Arthur Honeggers
Sonatine für Klarinette und Klavier ist ein frisches, unbekümmertes Werk mit
melancholischen Anklängen in den ersten beiden Sätzen und einem sehr lebhaften
dritten Satz mit synkopierten Jazz-Rhythmen, Glissandi und einem tänzerischen
Rhythmus. Darius Milhauds Ballett “La Création du Monde” in der Fassung für
Streichquartett und Klavier schließlich entstand nach seiner Rückkehr aus
Amerika, mit dem Jazz im Gepäck, als eines der bedeutendsten Werke dieses
Komponisten.
Fragmente aus “Porgy and Bess”
für Violine und Klavier eingerichtet von Jascha Heifetz
Igor Strawinsky (1882-1971)
Piano-Rag-Music
Aaron Copland (1900-1990)
Sonate für Violine und Klavier
Leonard Bernstein
(1918-1990)
Suite aus “West Side Story”
Maurice Ravel (1875-1937)
Sonate G-dur für Violine
und Klavier
Arthur Honegger
(1892-1955)
Sonatine für Klarinette
und Klavier
in der Fassung für
Violoncello und Klavier
Katja Tchemberdji (*1960)
Ein Quintettsatz. Hommage
à Charly Chaplin
Darius Milhaud (1892-1974)
“La Création du Monde”
für Streichquartett und
Klavier
Olga Diatchkovskaia, Sopran
Alexander Kagan, Violine
Anna Kandinskaia, Violine
Svjatoslav Moroz, Violine
Milan Radicz, Viola
Natalia Gutman, Violoncello
Irina Kandinskaia, Klavier
Katja Tchemberdji, Klavier
Mikhail Bank, Klavier
Viacheslav Poprugin, Klavier
Mark Pekarski, Schlagzeug
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