Pressemeldung 13. Oleg Kagan Musikfest Kreuth – Tegernseer Tal

 

”Schwarze Serenaden”

Festsaal Wildbad Kreuth

Sonntag, 7. Juli 2002, 19.30 Uhr

 

 

„Schwarze Serenaden“ – unter diesem Titel hat Eduard Brunner, dem Oleg Kagan Musikfest seit seinem Bestehen aufs Engste verbunden, ein geistreiches und witziges Programm gestaltet. Unter „Serenaden“ versteht man im üblichen Sinn heiter-leichte Werke, die unter dem Abendhimmel gespielt werden. Doch Eduard Brunner konstruierte ein Programm, in dem ein ganz außergewöhnlicher Serenaden-Typ im Mittelpunkt steht. Seine ausgewählten „Schwarzen Serenaden“ bieten höchst ungewöhnliche Instrumentenkombinationen, die durch ihre Komplexität und Vielschichtigkeit eher dunkel und geheimnisvoll wirken. Gleichwohl lassen sich gegenüber der einfachen Gestaltung des gängigen „Ständchens“ so viel spannendere Klangbilder entdecken, die sich durch ihren ungeheueren Humor auszeichnen.

Schon Wolfgang Amadeus Mozart, Schöpfer der berühmtesten Serenaden, setzte sich von der „braven“ Serenade ab und schaffte die eindrucksvolle Synthese von unterhaltender und kompositorisch höchst anspruchsvoller Musik. Seiner „NachtMusique“ stehen die spritzigen Serenaden-Kompositionen von Bohuslav Martinů, Carl Nielsen und Alfred Schnittke aus dem 20. Jahrhundert gegenüber.

 

Das „Quartett in C-dur“ des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů entstand im April 1924 in Paris in der höchst ungewöhnlichen Besetzung für Klarinette, Horn, Cello und kleine Trommel. Das freche Stück zeigt sowohl im Rhythmus als auch in der Instrumentation den Einfluss Strawinskys, dessen Musik Martinů damals in seinen Pariser Studienjahre gerade kennen lernte.

 

Carl Nielsens ”Serenata in vano” ist in ihrer Besetzung nicht weniger ungewöhnlich: Nielsen schrieb das Stück für Klarinette, Fagott, Horn, Violoncello und Kontrabass. Dieser kleine Satz ist ein „vergebliches Ständchen“ an die Geliebte, die ihr Fenster trotz der lieblichen Musik nicht öffnet. Die Musikanten ziehen davon, wobei sie in einem absurden „tempo di marcia“ ihre Würde zu bewahren suchen, aber nicht immer mit dem Rhythmus Schritt halten können.

 

Die „Serenade“ von Alfred Schnittke für Klarinette, Violine, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug stammt aus dem Jahr 1969 und ist in der so typischen „Polystilistik“ Schnittkes geschrieben. Fetzen früherer Film- und Theatermusik Schnittkes treffen in einer - wie Schnittke es ausdrückte - „chaotischen Straßenmusik“ aufeinander. Glockenklänge versuchen, dieses wilde Durcheinander zu stoppen und der Schlagzeuger als Schiedsrichter und heimlicher Dirigent bemüht sich um Koordination des instrumentalen Wettstreits. Ein äußerst humorvolles Stück, das übrigens seine Uraufführung in Moskau 1969 mit dem Schlagzeuger Mark Pekarski erlebte, der auch beim Oleg Kagan Musikfest wieder den Schlagzeug-Part übernimmt.

 

Den Abschluss dieses Abends mit „Schwarzen Serenaden“ bildet Wolfgang Amadeus Mozarts Serenade c-moll KV 388 ”NachtMusique” für Holzbläseroktett, das vermutlich Ende Juli 1782 in Wien entstand. Schon die ungewöhnliche Tonart c-moll lässt den Willen des Komponisten erkennen, sich hier nicht auf unbeschwert heitere Musik zur höfischen Unterhaltung zu beschränken. Mozart verbreitet eine düstere Atmosphäre, die sich manchmal in einen heiteren Ton auflöst. Für die Serenade des damals üblichen anspruchslos unterhaltsamen, gefälligen Stils ist das Werk viel zu komplex komponiert: es trägt alle Merkmale großer Kammermusik und der Musikliebhaber von heute ist entzückt.

 

Für die Realisierung dieses Programms hat der Klarinettist Eduard Brunner wieder zahlreiche renommierte Instrumentalisten um sich versammelt. Die Oboistin Louise Pellerin, Eduard Brunner selbst, der Hornist Bruno Schneider und der Fagottist Dag Jensen spielen gemeinsam mit ihren herausragenden Studenten Victor Aviat (Oboe), Marion Potyka (Klarinette), Nadja Helble (Horn) und Matthias Racz (Fagott). Außerdem spielen die künstlerische Leiterin des Festivals Natalia Gutman (Violoncello), ihre Tochter Maria Kagan (Violine), Frank Reinecke (Kontrabass), Vladimir Skanavi (Klavier) und der Schlagzeuger Mark Pekarski.

 

Eine Stunde vor Konzertbeginn hält Kerstin Piribauer in der Hanns-Seidel-Stiftung, Wildbad Kreuth, einen Einführungsvortrag zu den „Schwarzen Serenaden“, zu dem wir Sie herzlich einladen.

 


”Schwarze Serenaden”

Festsaal Wildbad Kreuth

Sonntag, 7. Juli 2002, 19.30 Uhr

 

 

 

Bohuslav Martinů (1890-1959)

Quartett für Klarinette, Horn, Cello und kleine Trommel in C-dur

 

Carl Nielsen (1865-1931)

”Serenata in vano” für Klarinette, Fagott, Horn, Violoncello und Kontrabass

 

Alfred Schnittke (1934-1998)

Serenade für Klarinette, Violine, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug

 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Serenade c-moll KV 388 ”NachtMusique” für Holzbläseroktett

 

 

Louise Pellerin und Victor Aviat, Oboe

Eduard Brunner und Marion Potyka, Klarinette

Bruno Schneider und Nadja Helble, Horn

Dag Jensen und Matthias Racz, Fagott

Maria Kagan, Violine

Natalia Gutman, Violoncello

Frank Reinecke, Kontrabass

Mark Pekarski, Schlagzeug

Vladimir Skanavi, Klavier

 

 

 

 

 

 

 

 

Karten und Information:

Musikfest Kreuth e.V.

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Nördliche Hauptstraße 3

83708 Kreuth am Tegernsee

Fon +49 (0) 8029/1820

Fax +49 (0) 8029/1828

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Öffnungszeiten:

Montag – Donnerstag 8-12 Uhr und 14-17 Uhr

Freitag 8-12 Uhr