Pressemeldung

 

„Paris in den Goldenen Zwanzigern“

Musik zwischen Jazz, Varieté und Avantgarde

 

 

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 entwickelte sich Paris zu einem Schmelztiegel der Nationen und zu einem weltoffenen Zentrum der Musik. Jazz und Varieté verschmolzen mit der Musik der Avantgarde und der klassischen Konzertbühne. Es herrschte eine Atmosphäre der Daseinsfreude und des Übermuts, der Lust an Skandalen und an neuen Klängen. Eduard Brunner hat ein Kammermusikensemble um sich geschart, um den Geist dieser zwanziger Jahre, die wir heute aus der Rückschau golden nennen, lebendig werden zu lassen. Das Konzert „Paris in den Goldenen Zwanzigern“ findet am Samstag, den 12. Juli, um 19.30 Uhr im Festsaal Wildbad Kreuth im Rahmen des Oleg Kagan Musikfestes statt.

 

Der tschechische Komponist Bohuslav Martinů lebte und arbeitete in Paris, wo er 1927 seine Jazzsuite „La revue de cuisine“ schrieb. Mit einem Kammerorchester hat er ganz ohne das traditionelle Jazzinstrumentarium eine „echte“ Jazzkomposition geschaffen. Die „Küchenschau“ zeigt den Tumult der Küchengeräte zwischen Liebe und Eifersucht und ist zugleich das witzige Dokument einer Zeit, die sich nicht scheute, Alltägliches in skurriler Verfremdung auf die Bühne zu bringen.

 

Francis Poulenc lässt in seiner Kantate „Le bal masqué“ für Gesang und Kammerorchester das pulsierende Paris der Vorstädte – aus Kinderperspektive betrachtet – spüren. Die pointierten Texte von Max Jakob charakterisieren mit beißender Satire und doch unschuldigem Charme Typen des Pariser Lebens oder, wie Poulenc sich ausdrückte, „die Monster meiner Kindheit“.

 

Dem Schmelztiegel Paris tragen die Werke von Sergej Prokofjew und Igor Strawinsky Rechnung, denn beide Komponisten lebten zu einer Zeit in der französischen Metropole, die Schutz vor den Wirren der Oktoberrevolution und ihren Folgen bot. Die Scherzlieder „Pribaoutki“ sind in der naiven Poesie russischer Kinderreime gestaltet. Auch die Musik Strawinskys trifft den Stil von Volksliedern, ohne sich tatsächlich auf diese Originale zu stützen. Seine Lieder übersteigern das Volksliedhafte mit spielerischer Leichtigkeit, um es auf das Tableau der Kunstmusik zu heben.

 

Sergej Prokofjew hatte sich zur Rückkehr in seine russische Heimat entschieden, als er seine Sonate für Flöte und Klavier op. 94 schrieb, doch ihre musikalische Gestalt erinnert noch an Paris und seinen Freund Francis Poulenc. Natürlich verhilft auch der Klang der Flöte, das vielleicht Französischste aller Instrumente, zu dieser Atmosphäre. Außerdem erklingt Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello, die Ravels Auseinandersetzung mit Strawinsky nicht leugnen kann, aber mit ihrem asketischen Stil schon eine Neuorientierung markiert.

 

Die Solisten des Konzerts sind Janne Thomsen, Flöte, Pavel Vernikov, Violine, Olga Diatchkovskaia, Gesang, Vladimir Skanavi, Klavier und Natalia Gutman, Violoncello.

 

Zum Kammerensemble unter der Leitung von Andreas Ruppert ergänzen Svjatoslav Moroz, Violine, Daniel Raiskin, Viola, Bernhard Heinrichs, Oboe, Eduard Brunner, Klarinette, Holger Schinköthe, Fagott und Uwe Komischke, Trompete.

 

 

 

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