Pressemeldung
Oleg Kagan Musikfest 2005
Dietrich
Fischer-Dieskau rezitiert Byron und Rilke
Am
Sonntag, den 3. Juli 2005 erwartet Sie beim 16. Oleg Kagan Musikfest Kreuth –
Tegernseer Tal ein ganz besonderes Konzert, auf das wir Sie heute mit einigen
Informationen aufmerksam machen möchten. Dietrich Fischer-Dieskau rezitiert
zwei Melodramen, die Zeitgeschichte dokumentieren: Eines ist die „Ode to
Napoleon Buonaparte“ von Arnold Schönberg, die nach einem Schmähgedicht von
Lord Byron in Schönbergs musikalischer Deutung zur Vision von Hitlers
Entmachtung wird. Das zweite Stück ist „Die Weise von Liebe und Tod des
Cornets Christoph Rilke“, das Viktor Ullmann nach einem Text von Rainer Maria
Rilke vertont hat. Die künstlerische Leiterin des Festivals, die Cellistin
Natalia Gutman, lässt es sich nicht nehmen, den Konzertabend mit der
Cello-Suite Nr. 3 BWV 1009 von Johann Sebastian Bach zu eröffnen.
Dietrich
Fischer-Dieskau, der längst als einer der bedeutendsten Lied- und Opernsänger
unserer Zeit gilt und in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, hat sich zwar
seit 1993 als Sänger von der Bühne verabschiedet, seinem Publikum bleibt er
dennoch treu, wenn er mit großem Erfolg Erzählungen, Gedichte, Briefe und
Sprechpartien auf die Bühne bringt. „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets
Christoph Rilke“ und Arnold Schönbergs „Ode to Napoleon Buonaparte“ gehört
zu einer Reihe von melodramatischen Werken in Fischer-Dieskaus Repertoire. Mit
dem Pianisten Hartmut Höll, der lange Jahre Fischer-Dieskaus Klavierpartner im
Liedfach war, und dem innovativen Amati-Quartett hat sich Fischer-Dieskau
illustre Musiker an seine Seite geholt, die für außerordentliche künstlerische
Qualität bürgen und die besondere Stimmung dieser ganz außergewöhnlichen
Kompositionen sensibel transportieren. Hartmut Höll gehört seit Jahrzehnten zu
den gefragtesten Klavierbegleitern. Er arbeitet seit dreißig Jahren in
Liederabenden mit Mitsuko Shirai zusammen, und zählt außerdem Renée Fleming,
Thomas Hampson und Christoph Prégardien zu seinen Sängerpartnern. Dem 1981
gegründeten Amati Quartett liegt neben dem klassischen und romantischen
Repertoire die Musik des 20. Jahrhunderts besonders am Herzen. Schon kurz
nach seiner Gründung konnte das Ensemble Auszeichnungen für sein Quartettspiel
entgegennehmen und hat zahlreiche Kritikerpreise für seine CD-Aufnahmen
erhalten, zuletzt für Einspielungen der Haydn-Quartette op. 50.
Mit
der „Ode to Napoleon Buonaparte“ op. 41 aus dem Jahr 1942 legte Arnold Schönberg,
der 1933 nach Amerika übergesiedelt war, eine Komposition vor, die sich mit der
weltpolitischen Situation der 1940er Jahre auseinandersetzt. Seine politische
Stellungnahme empfand Schönberg als moralische Pflicht: die Ablehnung der
Tyrannei und das Bekenntnis zur Demokratie. Den Text der „Ode to Napoleon
Buonaparte“, den Arnold Schönberg vertont, verfasste Lord Byron 1814 als
Reaktion auf Napoleons Abdankung. Bei Schönberg wird seine Dichtung zu einer
flammenden Anklage gegen Adolf Hitler. Den Text voll Ironie und Sarkasmus setzt
Schönberg mit den Mitteln der Zwölfton-Technik in Musik und sucht dabei
gezielt tonale Zusammenhänge. So endet Schönbergs Ode in Es-dur und spielt
damit auf Beethovens „Eroica“ an, denn die Widmung an Napoleon tilgte
Beethoven einst voller Zorn und Enttäuschung aus seinem Manuskript. Dietrich
Fischer-Dieskau übernimmt die Sprecherrolle, mit der sich Arnold Schönberg am
Duktus Winston Churchills orientierte, es begleiten Hartmut Höll, Klavier, und
das Amati Quartett.
Der
Komponist Viktor Ullmann, 1898 im damals österreichischen Teschen geboren,
wurde 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Hier entstand
1944, kurz vor seiner Ermordung in Auschwitz, das Melodram „Die Weise von
Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ nach einem Text von Rainer Maria
Rilke. Rilkes Jugenddichtung war zwischen 1912 und 1945 eines der meistgelesenen
Bücher und erreichte damals eine Art Kultstatus. Die Geschichte vom jungen
Fahnenträger Christoph Rilke, der mitten im Krieg im Schloss einer Gräfin eine
kurze Ruhepause findet, mit ihr eine Liebesnacht erlebt und wieder hinaus muss
in die Schlacht, pendelt zwischen Lust und Tod, Lebens- und Todessehnsucht.
Rilke zeigt die ganz persönliche Apokalypse eines Menschen in Kriegswirren, und
trivialisiert die grausamen Umstände zugleich, indem er mit virtuoser
Sprachkunst und Kitsch, poetischer Wahrheit und Oberflächlichkeit spielt, denn
für ihn ist es keine Geschichte vom Krieg, sondern vom Erwachsenwerden. Viktor
Ullmann vertonte Rilkes musikalische Sprache in einer kontrastreichen
Komposition mit tonmalerischen Elementen und Genre-Imitationen wie Walzer und
Marsch, in der die Musik eine faszinierende Symbiose mit dem frei deklamierten
Wort eingeht. Mit großem Erfolg hat Dietrich Fischer-Dieskau dieses Stück
bereits mit seinem Klavierpartner Hartmut Höll bei der Wiener Schubertiade
realisiert.
Das
Konzert findet im Festsaal von Wildbad Kreuth statt und beginnt um 19.30 Uhr. Für
weitere Informationen über Konzerttermine, Programm und Mitwirkende des Oleg
Kagan Musikfestes können Sie ein Programmfaltblatt bei der Kurverwaltung Kreuth
erhalten. Programmhinweise und aktuelle Informationen bietet Ihnen unsere
Website www.oleg-kagan-musikfest.de.
Karten
und Informationen:
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